Montag, 01. Januar 2024

Struwwelhitler

Heinrich Hoffmann verfasst 1844 das Kinderbuch „Struwwelpeter“. Ursprünglich schreibt er es für seinen Sohn: Hoffmann ist enttäuscht vom Angebot der Kinderbücher, die es zu kaufen gibt, weshalb er kurzerhand selbst eines schreibt. Was als einzigartiges Geschenk beginnt, entwickelt sich schnell zu einem beliebten und sehr bekannten Werk für Kinder.
Titelseite "Struwwelhitler"

Neben dem Klassiker gibt es bis heute verschiedene Adaptionen des Buches, oft mit humoristischem oder gesellschaftskritischem Hintergrund. Diese werden „Struwwelpeteriaden“ genannt. Dazu zählen unter anderem „Die Struwwelsuse“, Der „Militär-Struwwelpeter“, „Der ägyptische Struwwelpeter“ oder „Peter Struwwel“.

Die Parodie „Sturwwelhitler“ erscheint 1941 in Großbritannien im Verlag „Daily Sketch“. Die Verfasser geben sich das Pseudonym „Doktor Schrecklichkeit“. Dahinter verbergen sich die britischen Brüder Philip und Robert Spence. Die ausgebildeten Grafiker unterstützen mit der Satire eine Hilfsaktion, deren Einnahmen an die Soldaten der englischen Truppen und an die Opfer der deutschen Luftangriffe gespendet werden.

Der „Struwwelhitler“ erzählt mit spöttischen Reimen und Illustrationen die politische Situation während des Zweiten Weltkriegs. Hitler nimmt in der Titelgeschichte die Rolle des „Struwwelpeters“ ein. Statt langen Fingernägeln tropft ihm Blut aus seinen Fingern. Die artigen Kinder aus dem Original werden zu deutschen Soldaten, die dem Führer wie Marionetten zur Verfügung stehen. Auch als „böser Friedrich“ erscheint er in „Cruel Adolf“ als Vogel- und Katzenmörder. Ironisch ist, dass Hitler sich selbst in der Öffentlichkeit stets als Tierfreund gibt. Auch weitere bekannte Figuren aus dem originalen „Struwwelpeter“ werden umgedeutet. So wird „Hans Guck-in-die-Luft“ zum „Little Muso Head in Air“, eine Anspielung auf den italienischen „Duce“ Mussolini, und der „Daumenlutscher“ ist Reichsminister für Propaganda Joseph Goebbels in „Litte Gobby Poison Pen“, dem für seine politischen Lügengeschichten die Daumen abgehackt werden. Auch alle anderen Geschichten aus dem Original werden abgewandelt und mit historischen Persönlichkeiten besetzt.

1941 ist militärisch für das nationalsozialistische Regime ein erfolgreiches Jahr. Der Krieg wird in alle Richtungen ausgeweitet und auch Großbritannien befindet sich zu dieser Zeit im Krieg gegen das Deutsche Reich. Es herrscht eine Luftschlacht um das Vereinigte Königreich – die Nationalsozialisten wollen das Gebiet einnehmen. Inmitten des chaotischen Kriegsgeschehens erscheint die politische Satire „Struwwelhitler“. Mit Humor werden die politischen Missstände, die im Deutschen Reich herrschen, und die totalitären Verhältnisse des Hitler-Regimes veranschaulicht. So hören die Protagonisten in den Geschichten nicht auf ihre Eltern, benehmen sich unangemessen oder sind faul. Diese Missetaten haben negative Konsequenzen. Die Satire weist somit durch Verspottung auf die Missstände der Gesellschaft hin und zieht die Nationalsozialisten und deren Politik ins Lächerliche.

Susanne Appl (wissenschaftliche Volontärin)

 

 

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