Donnerstag, 01. Dezember 2022

Das Murmelspiel

Das Murmelspiel ist schon seit vielen tausend Jahren ein beliebter Zeitvertreib für Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt. Es gibt Funde aus römischer, germanischer und babylonischer Zeit, die belegen, dass Murmeln schon damals als Spielzeug verwendet werden. Die ältesten gefundenen Murmeln sind aus der Zeit von 3000 vor Christus.
Stich: Kinder beim Murmelspiel

Im Mittelalter spielen nicht nur Kinder, sondern Menschen allen Alters mit Murmeln. Es entwickelt sich bei den Erwachsenen zum Glücksspiel, das so beliebt wird, dass es von manch einer Stadt verboten wird. Die Bürgerinnen und Bürger mussten vor dem finanziellen Ruin bewahrt werden.

Im Mittelalter sind es Kerne, Lehmkugeln, Steine oder Nüsse, die als kleine Bälle verwendet werden. Die Kugel aus Glas kommt erst später – sie ist eine zufällige Erfindung von Christoph Simon Karl Greiner im Jahr 1848. Der Glasbläser aus Lauscha in Thüringen möchte eigentlich Glasaugen herstellen, die Murmel ist ein willkommenes Nebenprodukt der Herstellung. Diese kleinen gemusterten Kugeln erlangen schnell eine große Beliebtheit und werden zu Sammlerstücken. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts ist Deutschland der Marktführer der Murmelproduktion. Dann wird die Herstellung allerdings aufgrund des Ersten Weltkriegs eingestellt. Gleichzeitig treiben amerikanische Werkstätten die Entwicklung von Maschinen zur Produktion von Murmeln voran und das Land wird schließlich führend in der Herstellung. Heute werden Glasmurmeln ausschließlich maschinell gefertigt und sind ein Massenprodukt.

Im deutschsprachigen Raum ist das Murmelspiel unter verschiedenen Namen, wie Alabaster, Klicker, Picker oder Schusser bekannt. Aber welche Spiele gibt es für die kleinen Kugeln eigentlich? Zu den bekanntesten zählen das Lochklickern und das Murmel-Boule. Bei ersterem wird versucht, die Murmel in drei Versuchen in ein kleines Loch zu treffen. Beim Boule wird zuerst eine größere Kugel geworfen. Danach wird mit kleineren Murmeln versucht, so nah wie möglich an die große heran zu treffen.

 

Susanne Appl (wissenschaftliche Volontärin)

 

 

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