Freitag, 27. Februar 2026

Jugendmode in der DDR- Versandkataloge aus den 60ern

Mode in der DDR ist durchaus ein Politikum. Wer was wann trägt; soll mit den Vorstellungen der sozialistischen Regierung übereinstimmen. Die Kataloge des Versandhauses Leipzig, ab Herbst 1969 Centrum-Versandhaus, zeigen dies auf eine mehr oder weniger subtile Weise. 

Eine Seite eines Versandkataloges.

Auf dem 5. Parteitag der SED 1958 wird eine Reform der Handels- und Konsumpolitik beschlossen. Der ostdeutsche Sozialismus soll mithilfe von Rationalisierung und Automatisierung im globalen Wettstreit den Westen, und besonders die Bundesrepublik, überholen. Zu diesem Zweck werden 1961 die Versandkataloge „Konsum Versandhaus Karl-Marx-Stadt” und „Versandhaus Leipzig” eingeführt. Sie sollen die Versorgung der ländlichen Gebiete sicherstellen, deren Bewohner Kleidung, Spielsachen, Möbel und Haushaltsgegenstände per Katalog bestellen können. Das Konzept orientiert sich an den bereits in den 1950er Jahren entstandenen westdeutschen Versandhäusern wie Neckermann oder Otto. Die Kataloge escheinen zweimal jährlich, und mithilfe eines Bestellscheins kann jeder bequem von zu Hause aus  Waren bestellen.

Die in Katalogen und Geschäften erhältliche Mode soll vor allem einem Anspruch genügen: der maßvollen Planbarkeit. Sie muss zeitlos, praktisch und vor allem in angemessenen Mengen konsumiert werden können. Die Schnitte und Kleidungsstücke sind stark von der Mangelwirtschaft geprägt. Alles muss von der Regierung abgenommen werden. So sind zu viele Knöpfe, Naturstoffe oder Maxikleider und -röcke zu vermeiden, da diese zu viel Material verbrauchen.  Für junge, modebewusste Menschen führen diese Vorgaben zu Frustration. Hinzu kommt, dass bereits 1967 36 % der Bestellungen aus Versandkatalogen nicht bedient werden können, da die Ware fehlt. Wer Verwandte im Westen hat, versucht auf diesem Weg an die neueste Mode zu gelangen – oder schneidert sich die Kleidung selbst. 

Insbesondere Jugendliche wollen sich auf diese Weise von der Masse abheben. Auch die SED-Regierung bemerkt die immer weiter wachsende Diskrepanz zwischen dem staatskonformen Angebot und den Bedürfnissen der Jugend. 1967 versucht sie, diesem Problem mit der „Arbeitsgruppe für Jungmode“ entgegenzuwirken. Diese entwickelt die Modestrecke „Jungmode – kess und farbenfroh“, die ab 1968 in den neu gegründeten „Jugendzentren“ erhältlich ist. 

Auch in den Versandkatalogen werden junge Menschen angesprochen. So preist der Herbst-/Winterkatalog 1969/70 des Centrum Versandhaus Mode an, die so „Jung und zukunftsfroh wie unsere Republik“ ist. Doch auch hier treten die bekannten Probleme auf: Die neuen Kollektionen sind rasch ausverkauft und Nachlieferungen stocken aufgrund fehlenden Materials. Immer mehr junge Menschen versuchen, sich ihre Traumkleidung eigenständig zu nähen, und es entstehen kleine, private Modeateliers, die ihre Entwürfe auf Wochenmärkten zum Kauf anbieten. 

So muss schließlich auch die SED-Regierung einsehen, dass das Fortbestehen der Versandkataloge nur zu Frust statt zu wachsendem Vertrauen in das Regime führt. Sie beschließt, die Kataloge 1975 einzustellen. Offiziell heißt es, dass nun auch die Landbevölkerung, die man ja vornehmlich mit den Katalogen versorgen wollte, ausreichend versorgt sei und diese damit überflüssig seien. 

 

Chiara Rees wiss. Volontärin

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