Mittwoch, 01. Juli 2026

Frühstückstaschen und Brotdosen

Pausenbrot, Schulbrot, Vesper oder Jause – die kleine Mahlzeit, die Schülerinnen und Schüler mit in die Schule nehmen, hat viele Namen. 

Eine Frühstückstasche aus Leder mit der Aufschrift "Mein Frühstück"
In solchen Frühstückstaschen wurde das Schulbrot mitgegeben.

Das Mitnehmen von Essen für eine Reise, die Arbeit oder einen Tagesausflug ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. gibt es in Japan Bento-Boxen. Das sind Schachteln, in denen sich kleine Speisen wie Sushi transportieren lassen. 

Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in der Weimarer Republik wird es für Schülerinnen und Schüler immer selbstverständlicher, Verpflegung mit in die Schule zu bringen. Da der Schultag teils über die Mittagszeit hinausgeht und Schulspeisungen flächendeckend erst nach dem Zweiten Weltkrieg in deutschen Schulen eingeführt werden, ist es umso wichtiger, etwas zu essen dabei zu haben. 

Anfangs gibt es dafür so genannte Frühstückstaschen. Das sind kleine Umhängetaschen, meist aus Leder, in denen die in Papier eingeschlagenen belegten Brote transportiert werden. Die separate Tasche verhindert, dass das Essen mit den teuren Schulbüchern und Heften in Berührung kommt. Auf seinem Einschulungsfoto von 1916 trägt ein Junge eine solche Tasche mit der Aufschrift „Mein Frühstück“. 

Zum Teil werden die Behältnisse auch aus Blech gefertigt und mit einem Trageriemen versehen. Hier zeigen wir ein Exemplar, das auch als Werbeträger für das „Confection u. Wäschegeschäft“ von „Rudolf Löffler“ dient. 

Nach und nach fällt der Trageriemen weg und die Dosen werden mit in die Taschen gepackt. Die ovale Form der Dosen hat den Zweck, dass das geschnittene Brot besser hineinpasst. Diese können, wie die hier gezeigten, hübsch verziert oder bemalt sein. Der Spruch „Wohl bekomm´s“ deutet auf die ursprüngliche Funktion der Blechdose hin. 

Heute dominieren Plastikdosen in allen Farben und Formen, aber nach wie vor sind belegte Brote die beliebteste Pausenmahlzeit.

 

Chiara Rees, wiss. Volontärin