Mittwoch, 01. April 2026

Vogelpräparate als Anschauungsmodelle

Ausgestopfte Tiere als Dekoration, Trophäe oder Anschauungsmodell sind heutzutage eher selten geworden. Früher sind sie eine der wenigen Möglichkeiten, Tiere aus der Nähe zu betrachten und zu studieren.

Ein Vogelpräparat ist an einem Ast drapiert.

Der englische Begriff für solche Modelle lautet taxidermy. Er setzt sich aus den griechischen Wörtern taxis für „arrangieren, herrichten” und derma für „Haut” zusammen. Zusammengefügt spiegelt er die Arbeit eines Präparators wider: das Herrichten und Arrangieren der Haut eines Tieres in einer möglichst naturgetreuen Position.

Die hier gezeigten Vögel sind dem Museum von der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Überlingen gespendet worden. Die beiden Tierpräparate in den Holzkisten, den sogenannten Dioramen, waren besonders Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts beliebt. Bei den anderen Vögeln ist eine genaue Datierung hingegen ohne Untersuchung nicht möglich. Es ist aber anzunehmen, dass sie in einem ähnlichen zeitlichen Rahmen entstanden sind, da sie aus derselben Schenkung stammen wie die beiden Dioramen. 

Es gibt Nachweise dafür, dass bereits im 16. Jahrhundert Tiere mithilfe von Draht und haltbar machenden Kräutern ausgestopft werden. Im Rathaus von Nîmes in Frankreich hängen vier Krokodile aus den Jahren 1597, 1671, 1692 und 1703 von der Decke. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert nimmt das Interesse an dieser Form der Konservierung zu und es werden neue Techniken entwickelt. Das liegt auch daran, dass das Verlangen nach Tieren aus fremden, „exotischen” Ländern und den Kolonien gewachsen ist. Das Ziel ist jedoch nicht, diese Tiere für die Ewigkeit haltbar zu machen, sondern den Menschen für die nächsten Jahre die Möglichkeit zu geben, einen Elefanten, einen Tiger oder einen Löwen aus nächster Nähe und „in echt“ zu sehen. Die Sammler dieser Tierpräparate sind meist Forscher. 

Auch in Schulen wird diese Art der Präsentation zu einem festen Bestandteil des Biologie- oder Naturkundeunterrichts. Sie bieten den Schülern dieselben Vorteile wie den Forschenden im 18. und 19. Jahrhundert: Man kann die Tiere betrachten und verschiedene Arten direkt miteinander vergleichen. Solche Anschauungsmodelle spielen besonders ab Ende des 19. Jahrhunderts in der Reformpädagogik eine immer größere Rolle, da sie Kinder zum Anfassen und selbstständigen Erkunden anregen. Mittlerweile werden die Tierpräparate häufig durch Bild- oder Filmaufnahmen ersetzt, die im Klassenzimmer abgespielt werden. Die großen Sammlungen der Schulen sind damit überflüssig und werden unter anderem an Museen gespendet. 

Falls solche Modelle dennoch noch vorhanden sind und aktiv genutzt werden, sollte gerade bei älteren Modellen darauf geachtet werden, sie nicht mit bloßen Händen zu berühren und den Staub nicht einzuatmen. Bis in die 1980er Jahre werden teilweise noch die giftigen Stoffe Arsen und Quecksilber verwendet, um die Tierhaut vor Insektenfraß zu schützen. Eine Studie der kantonalen Fachstellen für Chemikalien (Chemsuisse) aus dem Jahr 2019 zeigt jedoch, dass bei vorschriftsmäßiger Benutzung keine Gefahr für Lehrpersonen oder Schülerinnen und Schüler ausgeht. 

 

Chiara Rees, wiss. Volontärin

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