Die Geschichte der Kohle in Deutschland
2015 haben die Vereinten Nationen (UN) 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschiedet, die bis 2030 erreicht werden sollen. In loser Reihenfolge stellen wir die Ziele vor und veranschaulichen sie mit Objekten aus unserer Sammlung. Für das siebte Ziel „Bezahlbare und saubere Energie“ zeigen wir eine Auswahl an Objekten, die die Geschichte der Kohle in Deutschland widerspiegeln

Der große Schaukasten mit dem Titel „Die Steinkohle“ vermittelt anschaulich , wofür Kohle genutzt wurde: vom klassischen Heizmaterial bis zur Verwendung bei der Teer-Produktion. Die Firma Eugen Emden stellt ihn in den 1960er/1970er Jahren in Wuppertal-Vohwinkel her. Er hängt in Klassenzimmern und wird im Naturkundeunterricht verwendet.
Die Geschichte Deutschlands ist eng mit der Förderung und Nutzung von Kohle verknüpft. Bereits im Mittelalter wird Kohle oberflächlich abgebaut und zum Kochen oder Heizen verwendet. Mit dem rasanten technologischen Fortschritt der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert wird Kohle als Energielieferant immer wichtiger. Im Jahr 1911 stammt etwa 82 Prozent der Primärenergie aus kohlebetriebenen Dampfmaschinen. Damit werden die Grundlagen für die im Schaukasten dargestellten vielfältigen Einsatzmöglichkeiten geschaffen.
Die Arbeit in den Bergwerken ist körperlich anstrengend und nicht immer ungefährlich. Oft sind die Stollen so eng, dass nur Kinder darin arbeiten können. Während der beiden Weltkriege fehlen Arbeitskräfte, da diese an die Front abkommandiert sind. Deshalb übernehmen vermehrt Frauen und Kinder die Tätigkeit. Auch Kriegsgefangene werden zu Zwangsarbeit im Bergbau eingesetzt.
Der nationalsozialistische Staat (1933 bis 1945) benötigt die Kohle, um die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten. Um Deutsche zum Kohlesparen zu animieren, ruft das NS-Propagandaministerium 1942 die „Kampf dem Kohlenklau“-Kampagne ins Leben. Diese Aktion wird auch für Kinder spielerisch umgesetzt: Das von 1942 bis 1944 produzierte „Kohlenklau-Quartett“ zeigt die Figur des „Kohlenklau“, der auch auf Postern, in Zeitungen und Flugblättern davor warnt, zu viel Kohle zu verbrauchen.
Mit Voranschreiten des Zweiten Weltkriegs führt der Mangel an Kohle immer wieder zu Schulschließungen, die „Kohleferien“ genannt werden, wie in dem Schreiben vom 11. März 1944 deutlich wird: „Es ist in den letzten Tagen wiederholt, vorgekommen, dass Stadt- und Landgemeinden ihre Schulen wegen Kohlemangel geschlossen […] haben.“ Die Ministerialabteilung für die Volksschulen in Stuttgart appelliert in dem Brief an die Land- und Schulräte, dass nur der „Herr Kulturminister“ die Schulen schließen kann und sie sich eine Genehmigung einholen müssen.
In der Nachkriegszeit ist die Kohleindustrie von großen Umbrüchen geprägt. Das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre der BRD basiert unter anderem auf dem Boom der Steinkohle aus dem Ruhrgebiet.
Auch in der DDR ist Kohle der Hauptenergielieferant. Pro Jahr werden in den Braunkohlebergwerken rund 300 Millionen Tonnen abgebaut, was einem Drittel der weltweit abgebauten Menge entspricht. Im Kinderbuch „Als sich die Kohle ärgerte“ aus dem Jahr 1953 wird der Bergbau vorgestellt – und die Konsequenzen, wenn es keine Kohle mehr geben sollte. Die Fabriken stehen still, es kann nichts mehr produziert werden. Die jungen Helden der Geschichte gehen ins Bergwerk und sprengen den Weg zu Kohle mit Dynamit frei. Die Kohle kann wieder gefördert werden und die Wirtschaft ist gerettet.
Spätestens ab den 1970er Jahren wird sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland klar, dass der Kohleabbau nicht nur positive Seiten hat: Ganze Dörfer müssen geräumt werden, um Platz für den Tagebau zu schaffen. „Saurer Regen“ und das Waldsterben veranlassen viele Menschen, die bisherige Energieversorgung durch Kohle kritischer zu sehen.
2020 beschließt der Deutsche Bundestag bis zum Jahr 2038 vollständig aus der Kohle als Energielieferant auszusteigen. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Braunkohle an der Stromerzeugung in Deutschland bei 15 Prozent, der Anteil erneuerbarer Energien bereits bei 57 Prozent.
Chiara Rees wiss. Volontärin