Freitag, 01. Mai 2026

Die Geschichte des Sammelalbums

Nächsten Monat beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Der Konzern Ferrero nutzt dies als Anlass, um kleine Bildchen von Fußballspielern zusammen mit seinen Produkten zu verkaufen. Dabei bedient er sich einer über 100 Jahre alten Verkaufstaktik. Die Idee, mithilfe kleiner Bildchen die Sammelleidenschaft der Kunden zu entfachen und sie so langfristig an das eigene Unternehmen zu binden, entsteht bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. 

Die Vorderseite des Stollwercks Sammelalbums.
Das Stollwerck Sammelalbum von 1900.

Das Pariser Kaufhaus „Le Bon Marché“ legt ab 1870 zu jedem Kauf ein kleines Sammelbildchen bei und löst damit einen regelrechten Trend aus. Nur zwei Jahre später ist Justus Liebig der Erste in Deutschland, der für seinen Fleischextrakt Sammelbildchen herausgibt. 

Auch der Schokoladenhersteller Stollwerck beginnt, seinen Produkten Bildchen beizulegen. Hier zeigen wir die vierte Ausgabe eines Sammelalbums aus dem Jahr 1900. In der Einleitung begründen die Herausgeber die Auswahl der Bildmotive wie folgt: „Es ist nach wie vor unser Bestreben, besonders solche Gegenstände und Begebenheiten zur Darstellung zu bringen, welche ebensowohl ihres belehrenden Inhaltes halber auf den Beifall der Pädagogen rechnen können.“ Die Bilder werden in den Sammelalben meist mit einer Bildunterschrift und teilweise auch mit einem Begleittext versehen, der die Motive erklärt.

Die Karten können eine Vielzahl unterschiedlicher Themen zeigen. Beliebte Motive sind unter anderem fremde Länder, Pflanzen und Tiere, Porträts von Königsfamilien sowie die neuesten Technologien wie Eisenbahnen oder Flugzeuge. 

Eine Besonderheit aus unserer Sammlung ist das 1930 von Toblerone veröffentlichte „Albumo di Reklamo Marki di Societo Anonima Chokolada Tobler Bern Suisia”. Der Titel des Albums ist in der Plansprache „Ido“ verfasst. Dies ist eine Abwandlung der im Jahr 1887 erfundenen Plansprache „Esperanto“. Plansprachen sind künstlich entwickelte Sprachen, die die Verständigung zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern erleichtern sollen. 

Zigarettenhersteller nutzen die kleinen Bilder besonders gerne zur Kundenbindung, weshalb sie auch als „Zigarettenbilder” bezeichnet werden. Dieser Trend hält sich bis in die 1930er Jahre, in denen auch die Nationalsozialisten von der Sammelleidenschaft profitieren. Die Hersteller werben mit Sammelalben mit Titeln wie „Adolf Hitler. Bilder aus dem Leben des Führers” oder „Deutschland erwacht”. Die Firmen biedern sich mit solchen Propagandathemen häufig bewusst der Regierung an, um Sympathien zu gewinnen. 1942 wird die Produktion aufgrund von Ressourcenknappheit verboten. Das hier gezeigte Album „Die Deutsche Wehrmacht” erscheint 1936 und wird vom „Cigaretten-Bilderdienst Dresden” herausgegeben. Damit erhält die NS-Propaganda auf scheinbar nebensächliche Weise Einzug in den Alltag der Deutschen. 

Nach dem Krieg wird das Sammeln fortgesetzt. Die Themen reichen dann von Geschichte und Natur bis hin zu Kinofilmen, Schauspielerinnen und Schauspielern. So bringen die Holsteinischen Margarinewerke das Album „Pünktchen und Anton” in Begleitung zum gleichnamigen Film von 1953 heraus. 

In den 1980er Jahren erobern die Fußball-Sammelhefte von Panini die Kinderzimmer und Pausenhöfe Deutschlands. Ab 1999 erfreuen sich auch Pokémon-Karten großer Beliebtheit. Bis heute ist das Sammeln und Tauschen der unterschiedlichsten Sammelkarten eine beliebte Freizeitbeschäftigung von Jung und Alt.

 

Chiara Rees wiss. Volontärin