2023: Kinder und das Mittelalter

Mit der Ausstellung “romantisch, magisch, düster - Kinder und das Mittelalter” wurden 2023 gleich zwei Projekte umgesetzt: Erstens wurde der alte Gewölbekeller endlich renoviert und völlig neu gestaltet - er erzählt seitdem von der Kindheit im Mittelalter und ist heute noch im Museum zu sehen. Und zweitens wurde im Sonderausstellungsraum im zweiten Stock eine spannende Auseinandersetzung mit dem modernen Bild vom Mittelalter und seiner Bedeutung für Spiel und Bildung geschaffen. 

Blick in den Gewölbekeller

Das Mittelalter begegnet uns auch heute noch überall, gerade im Kinderzimmer! Warum ist das so? Warum greifen so viele Kindermedien diese Epoche auf, sind die Spielzeugregale voll von Burgen, Rittern, Mittelalterzauber? Und wie hat sich das Mittelalterbild für Kinder im Laufe der Jahrhunderte verändert? 

Diesen Fragen ging das Team des Schulmuseums in der Sonderausstellung “romantisch, magisch, düster – Kinder und das Mittelalter“ nach, die ab 5. November 2023 in zwei Räumen des Museums zu sehen war. 

Der Titel war bewusst doppeldeutig gewählt. Denn die Sonderausstellung „Von mutigen Rittern und cleveren Zauberern“ im zweiten Stock des Museums, die die Rezeption des Mittelalters in den Kinderzimmern der späteren Epochen untersuchte, war nur ein Teil der neuen Ausstellung. Auch der Gewölbekeller im Erdgeschoss, der früher die „mittelalterliche Klosterschule“ beheimatete, ist neu. Er geht seit 2023 und auch in Zukunft der Frage nach, wie es denn nun tatsächlich war für ein Kind im Mittelalter. War es wirklich dieses düstere, entbehrungsreiche Leben, wie es im Nachhinein oft dargestellt wurde? Oder gab es eben doch Zeit zum Spielen, Freizeit, war das Kind doch mehr als „nur“ eine weitere Arbeitskraft?! Besondere Highlights in diesem Bereich sind hochkarätige Exponate wie mittelalterliches Spielzeug oder eine Fraisenkette aus dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Bettina Kießling, Kuratorin der Sonderausstellung: „Wir ziehen in diesem Raum ganz bewusst eine neue Ebene ein und widmen uns stärker als bislang dem Themenhorizont Kindheit. Diese thematische Erweiterung soll sich schließlich in Zukunft sehr viel stärker in unserem Haus wiederfinden.“

Sonderausstellung von 2023 bis 2026

Die Sonderausstellung im zweiten Stock untersuchte denn auch die romantisierten Bilder, die zum Teil noch heute das kindliche Bild vom Mittelalter prägen – und magische Motive, die die Kinder- und Jugendliteratur durchziehen, Stichwort „Harry Potter“. Kuratorin  Susanne Appl fasste es so zusammen: „Magier, Burgfräulein oder Kämpfer – das Mittelalter hat seinen festen Platz im Kinderzimmer. In der Sonderausstellung richten wir unseren Blick darauf, wie sich Bücher, Spielzeuge und Co. im Laufe der Zeit verändert haben.“

Diese Sonderausstellung wurde ergänzt durch ein abwechslungsreiches Begleitprogramm aus Führungen, Kostümlesungen und Workshops, bei denen wichtige Kulturtechniken aus dem Mittelalter wiederentdeckt und ausprobiert werden konnten, so zum Beispiel das Papierschöpfen, das Buchbinden oder das Erstellen „magischer“ Tinten.