Donnerstag, 30. März 2017

Schüler auf den Spuren der Häfler Flakhelfer

17 Schülerinnen und Schüler des Graf-Zeppelin-Gymnasium machen sich auf die Suche nach Spuren, die der Zweite Weltkrieg in Friedrichshafen hinterlassen hat. Sie arbeiten in Kooperation mit dem Stadtachiv und dem Schulmuseum die Geschichte der Häfler Flakhelfer auf

Sieben Stufen in die Vergangenheit – Schüler auf den Spuren des Zweiten Weltkrieges

Nur sieben Treppenstufen führen hinunter in den fensterlosen Bunker auf dem Werftgelände der BSB am Hinteren Hafen. Unscheinbar liegt das Betongebäude zwischen Werfthalle und Tankstelle. Heute lagern hier unter anderem Akten.

17 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 d im Graf-Zeppelin-Gymnasium machen sich auf die Suche nach Spuren, die der Zweite Weltkrieg in Friedrichshafen hinterlassen hat. Mit ihren Lehrern Maria Anna Mohr und Philipp Götz arbeiten sie in Kooperation mit dem Stadtachiv und dem Schulmuseum die Geschichte der Häfler Flakhelfer auf. 23 junge Männer wurden im August 1944 Opfer der Bomben, darunter sechs Schüler der damaligen Graf-Zeppelin-Oberschule. Ihrem Schicksal und dem ihrer Altersgenossen spüren die GZG-Schülerinnen und Schüler derzeit nach. Die Exkursion an diesem sonnigen Vormittag gehört dazu.

Frank Weber, der Friedrichshafner Betriebsleiter der Bodensee-Schiffsbetriebe, führt die Gruppe, zu der sich auch Dr. Hartmut Semmler, das Projekt begleitender Mitarbeiter im Stadtarchiv, und Werner Kunze, damals Flakhelfer, gesellt haben, in den Bunker. Unbeschadet hat das Gebäude den Zweiten Weltkrieg vor allem deshalb überstanden, weil es erst als Reaktion auf die großen Fliegerangriffe im Frühjahr und Sommer 1944 gebaut wurde. Als Notbetriebsstelle der Deutschen Reichsbahn enstand es, damit jederzeit der Fahrbetrieb und das Fernmeldewesen aufrecht erhalten werden konnten.

Sachkundiger Begleiter an diesem Vormittag ist Wolfgang Rieg, der sich mit der Geschichte auch dieses Bunkers intensiv beschäftigt hat. Er weiß, dass in die mehr als drei Meter starke Betondecke 20 Tonnen Eisenbahnschienen als Armierung verbaut wurden. Und dass hier vor allem Reichsbahnbedienstete geschützt werden sollten, die als unersetzbar galten. Auf keiner Stadtkarte tauchte der Bunker auf, erklärt Rieg, denn auch im Kalten Krieg spielte er als Warnanlage und Leitstelle eine Rolle.

Mit Interesse begutachten die Jugendlichen die Räume im Bunker: den engen Raum, wo einst neun Feldbetten standen und eine kleine Küchenzeile, und den Bereich, in dem Batterien für die notdürftige Energieversorgung standen. Sie entdecken die Sanitäranlagen, die noch immer in Takt sind, die kleine Dusche in der Ecke, das verklinkerte Gewölbe, auf dem die mehr als tausend Tonnen schwere Decke lastet.

Für den ehemaligen Flakhelfer Werner Kunze bedeutet dieser Besuch Erinnerungen an den großen Angriff, den er in der Flakkaserne im Fallenbrunnen hautnah erlebt hat. Er erinnert sich zum Beispiel, dass viele Bunker der immer stärker werdenden Kraft der Bomben nicht mehr standhalten konnten und Freunde und Verwandte starben.

Versteckt und unbeachtet liegt dieses gebaute Kapitel Geschichte in Friedrichshafen. Für die Schülerinnen und  Schüler des Graf-Zeppelin-Gymnasiums rückt es in den nächsten Wochen in den Fokus.