Dienstag, 01. Dezember 2020

Bilderbuch: „Ewalds Reise mit dem Christkinde“

Es weihnachtet sehr – sogar in unseren Archiven. Denn in unserer umfangreichen Bilderbuchsammlung befinden sich auch zahlreiche historische Bilderbücher rund ums Weihnachtsfest. Als Objekt des Monats Dezember haben wir das Buch „Ewalds Fahrt mit dem Christkinde“ von M. Rüdiger ausgewählt.
Das Titelbild des Buches mit Ewald und dem Christkind.

Das Buch aus der Zeit um die Wende von 19. zum 20. Jahrhundert handelt von einem Jungen namens Ewald, der keine Weihnachtslieder lernen möchte. Daraufhin erscheint ihm das Christkind und nimmt ihn mit zu verschiedenen Menschen und Familien, denen die beiden dann beim Singen zuhören. Ewald erkennt, welche Bedeutung Weihnachtslieder haben können, und schämt sich, dass er sich verweigert hat. Er gelobt Besserung und lernt die Lieder, empfindet schlussendlich sogar selbst die „Große Freude“, die er zuvor beobachtet hat.

Die Illustrationen zeigen weihnachtliche, oft bürgerliche Familienszenen wie eine wohlhabende Familie beim Musizieren, aber auch eine Gruppe ärmerer Mädchen beim Einüben von Weihnachtsliedern.

Unterhaltung und Erziehung im Kinderzimmer

Kinder- und Bilderbücher spiegeln stets auch die Zeit wider, in der sie entstanden sind. Im 19. Jahrhundert stehen vor allem in bürgerlichen Familien stärker als zuvor das Kind und seine Erziehung im Vordergrund. So gibt es immer mehr Kinderspielzeug, und es entwickelt sich das Genre der Kinder- und Bilderbücher. Diese sollen Kindern jedoch nicht mehr nur reines Wissen vermitteln, sondern auch zur Unterhaltung dienen. Dennoch haben sie oft einen starken pädagogischen Hintergrund. Das wird auch deutlich in „Ewalds Reise mit dem Christkinde“: „Tiefe Scham und Reue hatten sich seiner bemächtigt, o alle diese gesegneten Lieder, die er heute Abend gehört, hatte er nicht lernen wollen. […] Aber es sollte anders werden, das gelobte er sich.“

Im Kaiserreich (zwischen 1871 und 1918) wandelt sich Weihnachten vom rein religiösen Fest zu einem Familienfest, bei dem das Beschenken der Kinder eine immer größere Rolle spielt. Die Geschenke sollen oft auch zur sittlich-moralischen Erziehung beitragen und auf das spätere Leben vorbereiten. So bekommen Jungen oft militärisches Spielzeug wie Pickelhauben und Zinnsoldaten geschenkt, Mädchen hingegen Puppen oder Puppenstuben, die sie auf eine Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereiten sollen.

 

(Karin Oelfke, wissenschaftl. Volontärin)

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