Donnerstag, 01. Juli 2021

Modell-Brausebad um 1900

Gerade jetzt im Sommer zieht es viele Menschen in die Hallen- und Freibäder. Unser Objekt des Monats, eigentlich ein historisches Spielzeug aus der Kaiserzeit um 1900, zeigt, dass früher der Besuch im Schwimmbad nicht in erster Linie der Unterhaltung, sondern der Körperhygiene diente.
Modellschwimmbad aus Blech

Das Brausebad aus Blech wurde vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Firma Märklin aus Göppingen hergestellt. Es lässt sich tatsächlich mit Wasser befüllen, und die Dusche kann über eine kleine Pumpe Wasser ansaugen und abbrausen.

Öffentliches Baden

Bereits in der römischen Antike ist das Baden an öffentlichen Orten beliebt, sind große Badeanstalten Treffpunkte für die männlichen Bürger. Nach dem Ende des Römisches Reiches verschwinden diese Bäder fast vollständig. Öffentliches Baden gilt nun als unmoralisch und Waschen sogar als ungesund. Man glaubt seinerzeit, dass das Wasser durch die Haut dringen und die Organe schädigen würde. Erst mit dem Zeitalter der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts wird die eigene Körperhygiene wieder wichtiger – und so entstehen im Laufe des 19. Jahrhunderts diverse Bädertypen. Neben Kur- und Heilbädern gibt es auch Brausebäder, in denen Becken zum Schwimmen und öffentliche Duschen zum Waschen nebeneinanderliegen. Ein solches Brausebad stellt auch unser Objekt des Monats dar.

Volksbäder gegen Krankheit und Seuchen

In den infolge der Urbanisierung überfüllten Städten des deutschen Kaiserreichs (1871 bis 1918) leben und leiden ärmere Menschen unter schlechten hygienischen Bedingungen. Fließendes Wasser und eigene Waschgelegenheiten gibt es kaum, Krankheiten und Epidemien können sich rasch verbreiten. Die Medizin erkennt mehr und mehr die Zusammenhänge zwischen Hygiene und Krankheiten, und der Staat sieht es als seine Aufgabe, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern und Seuchen einzudämmen. Seit den 1880er Jahren werden deshalb vermehrt sogenannte Volksbäder gebaut, die einmal wöchentlich von der Bevölkerung genutzt werden sollen. Oftmals sind Bereiche für Frauen und Männer oder auch für wohlhabendere und ärmere Personen getrennt.

Neu gegründete Vereine wie die „Deutsche Gesellschaft für Volksbäder“ treiben den Bau öffentlicher Bäder weiter voran. Der Gründer der Gesellschaft, Otto Lassar, schlägt 1883 vor, preisgünstige Brausebäder in Schulen zu installieren und die Kinder so früh an das Baden und Waschen heranzuführen. In manchen Schulen werden daraufhin Baderäume mit Wannen und Duschen für das wöchentliche Bad der Kinder eingerichtet.

Volksbäder werden bis in die 1920er Jahre gebaut, bis immer mehr Häuser und Wohnungen mit eigenen Bädern ausgestattet sind. Für den aufkommenden Schwimmsport jedoch sind die Bäder des Kaiserreichs zu klein, und so werden sie oft durch neuere Bauten ersetzt. Doch noch heute dienen manche Volksbäder der Kaiserzeit als Schwimmbäder. Sogar die öffentlichen Duschen und Badewannen werden in manchen von ihnen, wie beispielsweise dem ‚Müller‘schen Volksbad‘ in München, noch gegen ein geringes Entgelt genutzt.

(Karin Oelfke, wiss. Volontärin)

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