Kategorie: Virtuelle Sonderausstellung

Auf dem Weg zur Digitalisierung...

Die Tastatur verdrängt den Stift – und könnte selbst nur eine Übergangslösung sein. Bedeutet die Digitalisierung das Ende der Schönschrift oder das Ende des Schreibens an sich, wie wir es in der Schule gelernt haben?
Klassenzimmer Schüler arbeiten an Tablets
Schon längst wird auch in der Schule das Schreiben immer mehr durch das Tippen ersetzt. (Bildnachweis: gettyimages)

Als Schönschreiben noch eine Note war.

Es ist noch nicht lange her, da war das Schönschreiben ein eigenes Schulfach. Oder zumindest noch einer Benotung wert. Getreu dem Motto „Eine schöne Seele zeigt sich durch eine schöne Schrift“ war die Schönschrift lange Zeit Bestandteil in Lehrplänen.

Mit speziellen Unterrichtsmaterialien wurde – meist durch Abschreiben in möglichst genau der abgebildeten Schrift – das Schönschreiben geübt.

Als Benotungskriterium weitgehend verschwunden, wird die Schrift lediglich in der Grundschule hinsichtlich ihrer Lesbarkeit bewertet. Aktuell wird diskutiert, ob die Schreibschrift überhaupt noch zeitgemäß ist oder ob Kinder nicht besser die Druckschrift erlernen sollten. In Baden-Württembergs Bildungsplan sind mit dem Schuljahr 2016/2017 keinerlei Vorgaben verankert, es soll ausgehend von der Druckschrift und einer verbundenen Schrift nur eine gut lesbare Handschrift entwickelt werden.

Tippen macht Schule

Es ist die große Zäsur in der Mediengeschichte und definiert heute unsere Art zu schreiben: Das Tippen bestimmt uns im Alltag und zunehmend auch in der Schule. Dabei hat es sich seit seiner Erfindung nicht groß verändert: die Tastenbelegung, das sogenannte QWERTY bzw. QWERTZ-Layout - benannt nach den Buchstaben der ersten sechs Tasten - stammt schon von der Sholes & Glidden Typewriter aus dem Jahr 1873. Grund der Anordnung sind nicht etwa ergonomische Überlegungen, sondern ein technischer Mangel: Die Typenhebel der Maschine verhaken sich damals beim schnellen Tippen ineinander, weswegen häufig benutzte Buchstaben möglichst weit auseinander gelegt werden. 

„Adler-Such-System“ oder gelerntes 10-Finger-Schreiben? Eine Studie der Aalto-Universität in Helsinki dürfte viele Autodidakten beruhigen, denn sie besagt, dass im Freistil genauso viele Anschläge pro Minute erreicht werden können wie mit dem Zehnfingersystem.

Richtig Tippen will gelernt sein… oder?

Das Erlernen des Zehnfingersystems ist als „Maschinenschreiben“ lediglich in Realschulen ab 1963 ein Pflichtfach, und auch hier nur bis 1994. In späteren Bildungsplänen ist die „Zehnfinger-Tastenmethode“ nicht mehr zu finden. Stattdessen wird dies eher an außerschulische Lerneinrichtungen wie die VHS weitergegeben.

Mit dem „Digitalpakt“ haben Bund und Länder beschlossen, die Arbeit am Computer und somit auch das Schreiben mit der Tastatur stärker in die Schule zu integrieren. Die Wissenschaft diskutiert noch über den Nutzen des Tippens beim Schreibenlernen: in einer Studie wird es als „sinnentleerte Bewegung“ tituliert, da es keine Verknüpfung zwischen Buchstabenform und Bewegungsausführung gibt. Ob O, A, X oder M getippt wird, ist für das Gehirn unerheblich. Andere konstatieren, dass das Schreiben am Computer die Konzentration auf den Inhalt erleichtert und Kinder besser in den Schreibprozess eintauchen können.

Auslaufmodell Schreiben?

„Das brauche ich doch später nie wieder!“ Mancher wird sich in ungeliebten Schulfächern diese Frage nach dem Sinn gestellt haben. Könnte dem Schreiben nicht das gleiche Schicksal blühen? Sicherlich waren nicht wenige Schüler erleichtert, als die Schönschrift aus dem Zeugnis verschwand. In Zeiten des papierlosen Büros verliert sie im Alltag sowieso zusehends an Bedeutung. Wahrscheinlich ist aber auch das Tippen nur eine temporäre Erscheinung: Diktierfunktionen werden immer besser - und es ist durchaus vorstellbar, dass in Zukunft schon ein bloßer Gedanke genügt, um Texte festzuhalten und E-Mails zu verfassen.

 

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