Kategorie: Virtuelle Sonderausstellung

Abgehakt? Oder Futter fürs Gehirn?

Lohnt die Mühe des Handschreibens überhaupt noch? Ist das Schreiben mit Stift auf Papier nicht eine veraltete Kulturtechnik, auf die wir angesichts von Tastatur und Tablet gut verzichten können? Die Wissenschaft findet (noch) keine endgültige Antwort auf diese Frage, aber immer wieder liefern neue Studien Stoff zur Diskussion.
Gehören Ranzen, schwerbeladen mit Büchern und Heften, irgendwann der Vergangenheit an? Schließlich passt doch all das ganz locker auf ein einziges Tablet...

Spuren im Gehirn

Untersuchungen zeigen, dass Kinder Buchstaben leichter lernen, wenn sie sie mit der Hand schreiben. Denn die individuelle Gestalt eines Buchstaben, mit der Hand nachgezeichnet, hinterlässt eine Spur auch im Gehirn.

Man hat herausgefunden, dass Studierende Details aus Vorlesungen leichter in Zusammenhänge bringen können, wenn sie mitgeschrieben und nicht mitgetippt haben. Und das, was sie mit der Hand geschrieben haben, bleibt nachweislich länger im Gedächtnis.

Schreiben Schüler nach einer Lerneinheit einen Text mit der Hand, so fällt der genauer aus als ein getippter. Die Sätze sind komplexer und vollständiger. Die Hand unterstützt den kreativen Aspekt des Schreibens.

Eine Studie unter Grundschülern 2007 zeigte, dass sie selbst mit dem Spezialstift auf dem digitalen Tablet Texte von geringerer Qualität schreiben als mit dem Stift auf Papier. Die Ursache ist allerdings bis heute noch nicht abschließend geklärt.

Gerechtigkeit durch Digitalisierung?

Nach einer Umfrage 2015 unter Lehrern haben 50 % der Jungen und 30 % der Mädchen in Deutschland Probleme, flüssig, mit Ausdauer und lesbar zu schreiben. Ein Problem in der Schule, wenn es um das Mitschreiben oder Klassenarbeiten geht. Die Digitalisierung wirkt hier „chancengleicher“.

Ebenso führt eine unsaubere Handschrift nachweislich  zu schlechteren Benotungen - teils unbewusst, teils als erzieherische Maßnahme vom Lehrer gezielt eingesetzt. Das Tablet nimmt diesen Bewertungsanteil aus der Schulnote heraus. Doch es  gibt natürlich auch ganz entschiedene Gegner der Handschrift:

„Die Handschrift ist nur ein winziger Funke in der Geschichte des Schreibens, und es ist Zeit, diese unnatürliche Art, Buchstaben zu formen, endlich abzuschaffen wie zuvor die Tontafeln, die Rauchzeichen und andere obskure Techniken.“ Anne Trubeck, amerikanische College-Professorin

Brauchen wir noch Feinmotorik?

Im Grundsatz stellt sich die gesellschaftspolitische Frage, wie viel feinmotorische Fähigkeiten wir künftig noch brauchen? Denn das Schreiben mit der Hand trainiert die Feinmotorik ganz grundlegend. Wird diese nicht regelmäßig trainiert, kommt man aus der Übung. Oder verlassen wir uns in Zukunft auf Roboter?

 

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