Freitag, 01. Mai 2020

Tellurium um 1960

Mit knapp 1,50 Meter Länge würde unser Objekt des Monats Mai wohl jede Vitrine sprengen. Weil das Schulmuseum aber derzeit geschlossen bleibt, können wir es digital wunderbar präsentieren. Und das hat es auch unbedingt verdient…
Ein Tellurium in Bewegung. Volontär Pascal Koths zeigt, wie's funktioniert.
Maschine die den Blick von der Sonne auf die Erde anhand Glühbirne darstellt
Die Glühlampe als Sonne wirft das Licht auf die 1,5 Meter entfernte Erde.

Das Unternehmen E. Leybold's Nachfolger Cöln a. Rh. wirbt in seinem Lehrmittelkatalog „Einrichtungen und Apparate für den Physikalischen Unterricht sowie für Übungen im Praktikum“ aus dem Jahr 1913 für seine Tellurien:

„Tellurium, zur Erläuterung der wichtigsten Begriffe der mathematischen Geographie. […] Mit diesem Apparate lassen sich u. a. folgende Gesetzte der astronomischen Geographie erklären:

  1. Die Kugelgestalt der Erde;
  2. Die Entstehung von Tag und Nacht infolge der Achsendrehung der Erde;
  3. Die Entstehung des Gradnetzes der Erde infolge ihrer Achsendrehung;
  4. Die Entstehung der Zeit infolge der Achsendrehung der Erde;
  5. Die Entstehung der Jahreszeiten, Zonen und Tageslängen;
  6. Die Entstehung der Mondphasen, der Sonnen- und Mondfinsternisse.“

Bis heute sind die Geräte an Schulen im Einsatz – und unterscheiden sich nur wenig von ihren Vorgängern. Bei unserem Objekt des Monats beispielsweise ist die Lichtquelle der Sonne eine Glühlampe, vorher waren es oft Kerzen mit einem reflektierenden Spiegel.

Herkunft

Das Wort Tellurium stammt vom lateinischen tellus ab und bedeutet „Erde“. Bereits um 1630 werden die ersten Tellurien konstruiert – als Erfinder gelten der Deutsche Wilhelm Schickard (1592–1635) und der Niederländer Willem Janszoon Blaeu (1571–1638). Mit dem enormen Zuwachs an Lehrmitteln an Schulen zum Ende des 19. Jahrhunderts hält das Tellurium seinen Einzug in die Klassenzimmer und Physiksäle. Besonders in den 1950er bis 1980er Jahren ist es beliebt. Und obwohl das Interesse an ihnen zurückgeht, bleiben die Tellurien jedoch meistens in den Lehrmittelsammlungen… und finden in unserem Fall schließlich ihren Weg in unsere umfangreichen Archive.

Aufbau und Funktion

Als Sonne dient bei diesem Exemplar eine Glühbirne. Unter der „Sonne“ befindet sich eine Holzscheibe mit einem Zeiger. Auf deren Oberseite sind die Jahreszeiten, Monate und Sternzeichen vermerkt. Von der Lichtquelle weg führt ein Arm, an dessen Ende ein Globus und ein Mond angebracht sind. Bei unserem Exemplar fehlt der Mond. Die Erde wird über einen Mechanismus in Rotation versetzt, der auch den Mond auf seine Reise um die Erde schickt. Der Globus sowie die Mondkugel sind maßstabsgetreu.

Eine Drehung der Erde um sich selbst steht für einen Tag. Eine Drehung des kompletten Armes um die Sonne steht für ein Jahr. Über den Zeiger unter der Glühbirne können der jeweilige Monat und die Jahreszeit abgelesen werden. Auf dem Arm lässt sich eine Linse befestigen, mit der die Einstrahlung des Lichtes auf einem bestimmten Punkt fokussiert werden kann. Und indem man eine kleine Figur in eines der drei kleinen Löcher auf dem Globus steckt, lässt sich der Lauf des Schattens an verschiedenen Stellen der Erde beobachten.

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