Sonntag, 01. November 2020

Spiel "Marsch in den Luftschutzraum"

Das Thema ziviler Luftschutz ist im Nationalsozialismus (1933-1945) sehr präsent. Schon Kinder sollen auf einen Luftkrieg vorbereitet werden und lernen, wie sie sich bei Luftangriffen zu verhalten haben. Dass dafür sogar Spiele zum Einsatz kommen, zeigt unser Objekt des Monats November.
Spielfiguren stehen auf dem Spielbrett

Der zivile Luftschutz wird bereits ab dem Ersten Weltkrieg in Teilen der Bevölkerung und der Politik diskutiert. Unter den Nationalsozialisten gewinnt er nochmals stark an Bedeutung und wird auch in der Öffentlichkeit deutlich präsenter. Bereits 1933 wird das Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring gegründet, zu dem auch der Reichsluftschutzbund (RLB) gehört, mit 13,5 Millionen Mitgliedern eine der Massenorganisationen des Nationalsozialismus. Der RLB bildet ehrenamtliche Luftschutzwartinnen und -warte aus und bereitet sie auf einen Krieg vor. 1935 wird die allgemeine Luftschutzdienstpflicht als Teil der Kriegsvorbereitung eingeführt. Der RLB nutzt Medien wie Filme, Rundfunksendungen, Vorträge und Vorführungen zur Vermittlung des Luftschutzes – unter dem Schlagwort „Luftschutz tut not“.

Luftschutz in Spiel und Unterricht

In der Zeit des Nationalsozialismus und besonders während des Zweiten Weltkrieg wird schon den Kindern die Ideologie des Regimes eingeflößt. Um sie auf einen kommenden Luftkrieg vorzubereiten, wird er ab 1935 vermehrt auch in Liedern, Büchern, Bastelbögen und Spielen thematisiert. Ziel ist, die Kinder an die Vorstellung eines Luftkrieges zu gewöhnen und aufzuzeigen, welche Maßnahmen sie bei Luftangriffen ergreifen müssen. Mit dem ausgestellten Spiel von 1942 sollen Kinder beispielsweise lernen, bei Fliegeralarm einen Luftschutzkeller aufzusuchen oder bei Feuer eine Eimerkette zu bilden. Auch im Schulunterricht ist der Luftschutz ab 1934 ein großes, fächerübergreifendes Thema. Mit großen Wandbildern wird gezielt die Angst vor ausländischen Luftangriffen geschürt. So wird beispielsweise anhand von Karten gezeigt, dass ausländische Flugzeuge jede größere deutsche Industriestadt in kurzer Zeit erreichen und bombardieren können, und im Mathematikunterricht wird die Reichweite der Flugabwehrmaßnahmen ausgerechnet.

Die verheerenden Luftangriffe auf das Deutsche Reich führen in der Bevölkerung schnell zur Erkenntnis, dass die propagierten Maßnahmen wenig gegen die massiven Angriffe ausrichten können. Es gibt nicht genügend Luftschutzkeller, sodass viele Personen in schlecht geschützten Hauskellern Schutz suchen müssen. Insgesamt sterben über 500.000 Menschen bei den Luftangriffen. 

Karin Oelfke (wissenschaftl. Volontärin )

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