Donnerstag, 01. Oktober 2020

Spardosen

Seit 1925 findet jährlich am 31. Oktober der Weltspartag statt. Der sparsame Umgang mit Geld war schon immer ein Thema in Familie und Schule. Im Oktober präsentieren wir diese Spardosen, die exemplarisch für das Sparenlernen in der Schule stehen. In der Erziehung zur Sparsamkeit ging es stets um mehr als das Zurücklegen eines Notgroschens für schlechte Zeiten. Der Charakter sollte geschult werden und das Kind sollte lernen sparsam mit Geld und auch anderen Dingen umzugehen, nichts zu verschwenden und mildtätig gegenüber Bedürftigen zu sein.
Vier historische Spardosen
Mitunter sehr kreativ wurde Kinder seinerzeit zum Sparen ermuntert

Sparen für schlechte Zeiten

In der vorindustriellen Zeit vor 1850, in der es weder Rentenkassen noch staatliche Fürsorgesysteme gab, waren Ersparnisse von großer Bedeutung. In der Hoffnung, die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Arbeiterfamilien zu verbessern, lernten die Kinder ab dem 19. Jahrhundert in der Schule das Sparen. Durch die Sparerziehung sollten die Kinder für die Verlockungen wie dem Kauf von Süßigkeiten und auch Alkohol gewappnet werden. Alkohol, vor allem hochprozentiger, war in den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung ein ernstes Problem unter der Arbeiterschaft – und so erhoffte sich die Politik, dieses Problem auch durch die Erziehung zum sparsamen Umgang in den Griff zu kriegen. Den Sinn und Zweck des Vorsorgesparens in der Schule zu lernen und es dort auch zu praktizieren, schien eine gute Grundlage, den schlechten sozialen Verhältnissen zu begegnen.

Das Schulsparen

Beim Schulsparen führen die Kinder über die Schule ein Sparbuch bei der Bank. Es gab in der Praxis verschiedene Systeme: Bareinzahlung beim Lehrer, Sparkarten mit Sparmarken, in manchen Schulen gab es sogar einen Sparautomaten, der bei Geldeinwurf Quittungskarten bedruckte. Als Unterrichtsthema hielt das Sparen Einzug in verschiedene Fächer. In Mathematik übten die Schüler Zinsrechnung, im Deutschunterricht lasen sie moralische Geschichten zum Thema und im Fach Biologie studierten sie sparsames Verhalten im Tierreich.

Die Sparerziehung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

In den politisch autoritären Systemen, dem Deutschen Kaiserreich (1871-1918) und im Nationalsozialismus (1933-1945), wurde die Sparerziehung in den Dienst der Gesinnungslehre gestellt. So sollten die Kinder beim Sparen an den Nutzen für das „Vaterland“ denken und ihre Ersparnisse für den Bau von Fabriken und Wohnraum hergeben. Das Vertrauen der Bevölkerung in langfristiges Sparen wurde mit der Inflation 1923 und der Währungsreform 1948 durch den Verlust der Spareinlagen erschüttert. Erst durch die wachsenden Konsummöglichkeiten in den Jahren des Wirtschaftswunders ab den 1950er Jahren boten sich gerade für Kinder viele neue attraktive Sparziele. Als Sparziel deutlich näher an der Kinderrealität als das Vorsorgesparen für schlechte Zeiten waren nun Puppenwagen, Tretroller oder Indianer-Kopfschmuck.

Ab den 1980er Jahren verschwand das Schulsparen aus den Lehrplänen, vereinzelt hat es sich aber bis heute gehalten.

Gegenwart

Heute sind Spardosen meist nur noch im Kinderzimmer und auf Verkaufstresen zu finden. Im Zeitalter des materiellen Wohlstandes großer Bevölkerungsteile und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mit Electronic-Cash (EC) und Kindersparverträgen werden die Spardosen kaum noch „gefüttert“.
 

Jonathan Felix Lemcke (Praktikant)

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